Kompakte Abgrenzung der drei wichtigsten Tools für die Intralogistik.
(Warehouse Control System) und WES (Warehouse Execution System) verrät, welche Lösung sich für welchen Schritt in der Intralogistik eignet und wie Unternehmen ihre Prozesse effizienter gestalten können.
Was dabei jedoch häufig offenbleibt, ist die entscheidende Frage: Welche Lösung wird benötigt? Hinter den Begriffen stehen Systeme, deren Funktionsumfänge sich teilweise überschneiden und die mit ähnlichen Problemlösungen beschrieben werden. Gleichzeitig unterscheiden sich der Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad sowie der daraus resultierende Nutzen der Unternehmen erheblich. Dennoch haben nahezu alle eines gemeinsam: den Anspruch, Prozesse mithilfe von Automatisierung und KI effizienter zu gestalten. Das ist kein Selbstzweck, sondern eine Reaktion auf steigende Komplexität, Zeitdruck und Kosten.
Schaut man genauer hin, zeigt sich jedoch, dass viele Bereiche der Intralogistik noch nicht konsequent digitalisiert sind. Die Gründe dafür sind vielfältig und häufig historisch gewachsen. Entscheidungen werden nicht selten nach dem Prinzip getroffen: „Das haben wir immer schon so gemacht“ oder „Never change a running system“. Wer diesen Status quo jedoch hinterfragt und den Mehrwert neuer Technologien erkennt, steht unweigerlich vor einer zentralen Frage: Was brauche ich wirklich und welches System unterstützt mich dabei am besten?
Definitionen & Abgrenzungen der Systeme
Drei zentrale Systeme prägen heute die Intralogistik und alle haben sich im Laufe der Zeit parallel zu den wachsenden Anforderungen der Industrie und dem zunehmenden digitalen Reifegrad der Anwender weiterentwickelt. Mit jeder Entwicklungsstufe hat sich nicht nur der Funktionsumfang, sondern vor allem auch der konkrete Nutzen im operativen Lagerbetrieb verändert und erweitert.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel beim jüngsten Vertreter, dem Warehouse Execution System (WES). Dessen Begrifflichkeit, Rolle und Einordnung haben sich erst in den letzten Jahren klar herausgebildet – als Antwort auf steigende Komplexität, höhere Dynamik und den Bedarf an Echtzeitentscheidungen im Lager.
Um die Systeme korrekt einzuordnen, lohnt sich daher ein genauer Blick auf die drei angrenzenden Systemklassen. Denn obwohl Begriffe wie WMS, WCS und WES im Alltag häufig vermischt oder sogar synonym verwendet werden, erfüllen sie jeweils klar abgegrenzte Aufgaben innerhalb der Lagerlogistik – mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Stärken und Einsatzszenarien.

Warehouse Management System (WMS)
Das Warehouse Management System (WMS), häufig auch als Lagerverwaltungssystem (LVS) bezeichnet, bildet die verwaltende und planende Ebene der Intralogistik ab. Es sorgt dafür, dass Lagerprozesse strukturiert, nachvollziehbar und systematisch abgewickelt werden.
Zu den zentralen Aufgaben eines WMS zählen die Bestandsführung, die Verwaltung von Lagerplätzen und Lagerstrukturen, die Abbildung von Ein- und Auslagerungsstrategien sowie die Organisation von Kommissionier-, Nachschub- und Versandprozessen. Alle Warenbewegungen werden dabei dokumentiert und gebucht, um Transparenz und Nachvollziehbarkeit sicherzustellen. Charakteristisch für ein WMS ist seine transaktionsbasierte Arbeitsweise. Prozesse werden Schritt für Schritt ausgelöst, bestätigt und verbucht, häufig unterstützt durch Handscanner oder manuelle Rückmeldungen. Entscheidungen basieren dabei auf vordefinierten Regeln und Planungslogiken, etwa FIFO- oder Zonenstrategien.
Was ein WMS jedoch nur eingeschränkt leisten kann, ist die dynamische Reaktion auf das tatsächliche Geschehen im Lager. Spontane Änderungen wie Verzögerungen, blockierte Wege, Fahrzeugausfälle oder Prioritätsverschiebungen lassen sich meist nicht automatisiert berücksichtigen. In solchen Fällen sind manuelle Eingriffe, Puffer oder zusätzliche Abstimmungsprozesse erforderlich. Damit eignet sich ein WMS besonders für Lagerumgebungen mit klar strukturierten Abläufen, überschaubarer Dynamik und dem Fokus auf Planbarkeit, Stabilität und Bestandsgenauigkeit. Im Gesamtsystem der Intralogistik bildet es den organisatorischen Rahmen: Es definiert, was zu tun ist, überlässt die konkrete Ausführung jedoch anderen Systemen oder dem Menschen.
Kurz gesagt

Warehouse Control System (WCS)
Ein Warehouse Control System (WCS) ist das Bindeglied zwischen Planung und realer Ausführung im Lager. Während das WMS die Abläufe organisiert und dokumentiert, sorgt das WCS dafür, dass die automatisierten Systeme im Lager wie Förderbänder, Shuttles, Sortieranlagen oder Roboter präzise und effizient gesteuert werden.
Die Kernaufgabe eines WCS besteht darin, operative Befehle in Echtzeit auszuführen. Es erhält Aufträge vom WMS oder ERP-System und übersetzt diese in konkrete Steuerbefehle für die Materialfluss- und Automatisierungssysteme. Dabei überwacht das WCS den Zustand der Anlagen kontinuierlich, regelt Übergaben, stoppt Staus und sorgt dafür, dass Materialien reibungslos ihren Weg durch das Lager finden.
Ein WCS arbeitet technisch fokussiert, übernimmt jedoch keine übergeordnete Planung oder Priorisierung der Aufträge. Es kennt die aktuellen Maschinenzustände, steuert den Materialfluss und optimiert die Nutzung automatisierter Anlagen, ist aber nicht in der Lage, menschliche Ressourcen, Prioritäten oder Engpässe dynamisch zu berücksichtigen – Aufgaben, die ein WES übernimmt.
Typischerweise findet ein WCS Einsatz in hochautomatisierten Lagern und Distributionszentren, in denen zahlreiche Förder- und Handling-Systeme eng miteinander verzahnt sind. Es gewährleistet kontinuierlichen Durchsatz, Ausfallsicherheit und Echtzeitkontrolle, ist aber auf die technische Ausführung beschränkt.
Kurz gesagt

Warehouse Execution System (WES)
Ein Warehouse Execution System (WES) vereint operative Transparenz, taktische Steuerung und EchtzeitIntelligenz in der Lagerlogistik. Es steht näher am Shopfloor als klassische ManagementSysteme und ist darauf ausgelegt, alle Lagerprozesse dynamisch und kontextbezogen zu orchestrieren.
Im Gegensatz zu einem WMS, das Prozesse vorplant und dokumentiert, nutzt ein WES laufend Echtzeitdaten aus dem Lager, um Entscheidungen operativ umzusetzen. Diese Daten stammen nicht nur aus ERP oder WMSSystemen, sondern vor allem aus Sensorik und Lokalisierungssystemen, die Positionen von Fahrzeugen, Gütern und Ressourcen kontinuierlich erfassen.
Das WES schafft so einen digitale Zwilling des gesamten Lagers in Echtzeit – eine virtuelle Abbildung, die sekundengenau zeigt, was sich wo bewegt und wie alle Mittel eingesetzt werden. Dieser digitale Zwilling bildet die Grundlage für eine intelligente und effiziente Koordination von Arbeitsaufträgen, Wegoptimierungen, Auftragsverteilung und Ressourcennutzung.
Das IdentProWES nutzt fortschrittliche LiDAR und IoTSensorik zur präzisen EchtzeitLokalisierung von Flurförderzeugen, Paletten und anderen Ladungsträgern, sowohl im Innen als auch im Außenlager. Die Daten werden bidirektional verarbeitet: Das WES empfängt Aufträge und Informationen aus Systemen wie ERP oder WMS, berechnet darauf basierend operative Maßnahmen und meldet Ergebnisse automatisiert zurück.
Kurz gesagt
Was verbindet und trennt diese Begriffe also?
WMS, WCS und WES decken unterschiedliche Ebenen innerhalb der Intralogistik ab: vom strategischen Management über die technische Steuerung bis hin zur operativen Orchestrierung. Sie sind technisch oft miteinander vernetzt, erfüllen aber klar abgegrenzte Aufgaben.
System-Vergleich:
| System | Fokus | Aufgabe | Realitätsbezug / Dynamik | Ressourcenintegration | Umsetzung |
|---|---|---|---|---|---|
| WMS | Planung & Verwaltung | Legt fest, was im Lager zu tun ist (Bestände, Kommissionierung, Versand) | Eher statisch, transaktionsbasiert, begrenzte Reaktionsfähigkeit auf Änderungen | Eingeschränkt, über WMS-gesteuerte Prozesse | Operativ durch Menschen oder nachgelagerte Systeme |
| WCS | Steuerung automatisierter Anlagen | Übersetzt Aufträge in Maschinenbefehle, steuert Fördertechnik, Shuttles, Roboter | Echtzeit, präzise Abläufe, technisch fokussiert | Keine Berücksichtigung menschlicher Ressourcen oder Lagerkontext | Direkte Steuerung der Maschinen und Anlagen |
| WES | Operative Intelligenz & Orchestrierung | Orchestriert alle Ressourcen, priorisiert Aufträge, nutzt Echtzeitinformationen | Echtzeit, dynamisch, reagiert auf Störungen | Mensch, Maschine und Material gemeinsam, inkl. Nutzung von Sensordaten | Verbindet Planung aus WMS mit Echtzeitinformationen, steuert Prozesse indirekt |
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Fazit
Wer versteht, was WMS, WCS und WES jeweils leisten, kann gezielt entscheiden, welche Lösung im eigenen Lager den größten Mehrwert bringt, Synergien optimal nutzen und den Weg zur digitalisierten, effizienten und transparenten Intralogistik konsequent gehen.
Häufige Fragen (FAQ) zum WES von IdentPro