Updated on 2. November 2026
Gastbeitrag: Mehrweg-Nachweise in der Brau- und Getränkewirtschaft von Christian Gradt, PRECOGIT GmbH
Neue Pflichten für Fass, Flasche und Kasten
Mit der neuen EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) steigen die Anforderungen an Unternehmen entlang der gesamten Supply Chain in der Brau- und Getränkewirtschaft. Insbesondere Brauereien, die auf wiederverwendbare Fässer, Mehrwegflaschen und Getränkekästen setzen, müssen künftig nicht nur ihre Bestände effizient verwalten, sondern deren Einsatz und Wiederverwendung auch transparent dokumentieren. Die PPWR soll Verpackungsabfälle reduzieren, die Kreislaufwirtschaft stärken und die Wiederverwendung von Verpackungen fördern.
Lesevorschlag für Sie, wenn:
Der Beitrag in Kürze:
Das deutsche Mehrwegsystem unter der Lupe
Unser deutsches Mehrwegsystem gilt dabei europaweit als Vorbild. Entsprechend aufmerksam verfolgt die Branche die neuen Vorgaben aus Brüssel. Dirk Reinsberg, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels, betont die Bedeutung bestehender Mehrwegstrukturen:
„Es hat für uns oberste Priorität, das deutsche Mehrwegsystem zu schützen und damit ein funktionierendes und vorbildliches System aufrecht zu erhalten, das ein Paradebeispiel für Effizienz und Nachhaltigkeit ist.“
Dirk Reinsberg, BV GFGH (Quelle: Meininger)
Für Brauereien bedeutet dies jedoch, ihre Mehrwegprozesse in naher Zukunft noch genauer nachweisen zu müssen. Denn mit der PPWR steigen die Anforderungen an Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Dokumentation.
Die Verordnung setzt verstärkt auf messbare Wiederverwendung und nachvollziehbare Verpackungskreisläufe. Unternehmen müssen künftig belegen können, welche Mehrweggebinde im Umlauf sind, wie häufig diese wiederverwendet werden und welche Rücklaufquoten erreicht werden.
In der Praxis der Brau- und Getränkewirtschaft betrifft das u. a.:
Bestände
von Fässern, Flaschen und Kästen
Pfand- und Leergutbewegungen
zwischen Brauerei, Handel und Lager
Rücklieferungen
aus Handel und Gastronomie
Schwund
und Verlustmengen
Nachweise
für Audits und Behörden
Leergut im ERP-System abbilden
Manuelle Prozesse stoßen dabei schnell an ihre Grenzen. Viele Brauereien arbeiten bereits mit digitalen Lösungen zur Verwaltung von Leergut und Pfandkonten. Im Zuge der PPWR werden diese Systeme zu einem wichtigen Baustein der Compliance-Strategie. Daher gilt es zu überlegen, ob dieser Baustein in einem zentralen ERP-System wie SAP abgebildet werden kann.
Fässer, Mehrwegflaschen, Kästen und Paletten können in SAP als eigenständige Materialien geführt werden. Bisher war das mit erheblichem Aufwand verbunden und hatte nur geringen betriebswirtschaftlichen Mehrwert. Um die neuen Anforderungen der PPWR zu erfüllen, müssen nun sämtliche Warenbewegungen, Rücknahmen und Umlagerungen systematisch erfasst und archiviert werden. Das scheint erst einmal viel Aufwand bei der Einrichtung mit sich zu bringen. Durch eine digitale Bestandsführung erhalten Brauereien jedoch einen aktuellen Überblick über:
Die gewonnenen Daten helfen nicht nur bei der operativen Steuerung, sondern dienen zugleich als belastbare Grundlage für regulatorische Nachweise. Darüber hinaus können sie zur Unterstützung oder Automatisierung von Entscheidungen, z. B. im Beschaffungsprozess, herangezogen werden. Bereits im gerade abgeschlossenen Forschungsprojekt „BeverGreen“ konnte das Konsortium unter Beteiligung von PRECOGIT im Bereich der Leergutlogistik und des digitalen Produktpasses erste Möglichkeiten zur Umsetzung aufzeigen.
Kennzahlen, Datenqualität und Augenmaß
Die PPWR macht deutlich, dass nachhaltige Verpackungssysteme künftig stärker anhand von Kennzahlen bewertet werden. Unternehmen, die ihre Mehrwegprozesse digital abbilden und auswerten können, sind hier klar im Vorteil. Dazu gehört, dass Unternehmen die notwendigen Daten aufbereiten, eine standardisierte Datenqualität erreichen und die Daten für alle Stakeholder in der Supply Chain transparent machen.
Zugleich muss man darauf achten, dass funktionierende Systeme wie das deutsche Mehrwegsystem nicht durch unnötige Bürokratie belastet werden. Zusätzliche Regelungen dürfen das Ziel der Abfallvermeidung nicht gefährden, sondern müssen die bestehenden Strukturen sinnvoll unterstützen.
Fazit: Mehrweg braucht Transparenz
Die PPWR macht Mehrweg zu einem noch wichtigeren Bestandteil nachhaltiger und gesetzeskonformer Getränkevermarktung. Für Brauereien wird es künftig entscheidend sein, Leergutbestände nicht nur zu verwalten, sondern deren Einsatz auch nachvollziehbar zu dokumentieren. Moderne ERP-Systeme wie z. B. SAP schaffen hierfür die notwendige Transparenz. Sie liefern die Datengrundlage, um regulatorische Anforderungen zuverlässig zu erfüllen und einen echten Mehrwert für den Materialfluss in der Supply Chain zu heben.
Über den Autor: Christian Gradt
Geschäftsführer der PRECOGIT GmbH, SAP-Spezialist für SAP WM und SAP EWM in der Brau- und Getränkeindustrie.
Einordnung von identpro
Belastbare Leergutdaten beginnen im Lager
Dieser Abschnitt ist eine Ergänzung der identpro-Redaktion und nicht Teil des Gastbeitrags.
Die PPWR verlangt nachvollziehbare Zahlen zu Beständen, Rückläufen und Umläufen von Mehrweggebinden. Diese Zahlen laufen im ERP-System zusammen, zum Beispiel in SAP EWM. Wie verlässlich sie sind, entscheidet sich aber schon vorher: im Lager. Dort wird Leergut angeliefert, abgestellt, umgelagert und wieder der Abfüllung zugeführt. Wenn dort von Hand mit Handscannern gebucht wird, entstehen Lücken und Fehlbuchungen. Diese Fehler stecken später in jeder Auswertung und in jedem Nachweis.
Genau hier setzt identpro an. Unser Warehouse Execution System (WES) erfasst die Bewegungen von Leergut und Vollgut automatisch und in Echtzeit. LiDAR-Sensorik an den Staplern erkennt, wo ein Ladungsträger aufgenommen und wo er abgestellt wird. Die Mitarbeitenden müssen dafür nichts scannen. Die Daten gehen über Schnittstellen direkt ins ERP-System. So entsteht ein digitaler Zwilling des Lagers, der Standorte und Mengen von Paletten, Kästen und KEGs jederzeit aktuell zeigt.
Internationale Erfolgsstorys in der Bierindustrie
Brauereien in mehreren europäischen Ländern setzen die Lösung von identpro bereits ein, zum Teil über mehrere Standorte hinweg.
Warsteiner: Leergut erfassen mit vier Klicks
Bei Warsteiner fahren 36 Stapler an den Standorten Warstein und Paderborn mit dem Warehouse Execution System von identpro. Getrackt werden dabei 280.000 m² und 70.000 m². Die Anbindung an SAP EWM sorgt für vollständige Transparenz über volles und leeres Gebinde. Für das Leergut gibt es eine eigene Terminal-App: Der Staplerfahrer erfasst eine Leergutpalette mit vier Klicks, ohne Scanner und ohne vom Stapler abzusteigen.
Pilsner Urquell (Asahi): Leere KEGs und Flaschen im Blick
Bei Pilsner Urquell, Teil der Asahi Group, wurden die vorhandenen Stapler mit IoT-Kits ausgestattet. An den Förderbändern der Befüllstation kam eine automatische Erkennung dazu. Das System verfolgt volle und leere KEGs sowie Flaschen in Echtzeit und übergibt die Bestände direkt an das ERP-System. Manuelles Scannen im Lager entfällt. Pilsner Urquell plant, die Lösung auf weitere Standorte der Asahi Group auszurollen.
Häufige Fragen (FAQ)
Sie wollen Leergut lückenlos nachweisen?
Sprechen Sie mit uns darüber, wie Leergutdaten in Ihrem Lager automatisch entstehen und sauber im ERP ankommen. Persönlich treffen Sie identpro und PRECOGIT auf der BrauBeviale 2026 in Nürnberg, vom 10. bis 12. November in Halle 9, Stand 371.