Updated on 5. August 2026
Kompakte Beleuchtung der Vorteile vom Zusammenspiel von SAP & WES
Mehr Funktionen, mehr Pflichten: SAP EWM
SAP WM läuft aus. Wer noch damit arbeitet, muss wechseln. Spätestens bis 2027, wenn auch die ECC-Maintenance endet. Wer neu einführt oder gerade wächst, landet ohnehin bei SAP EWM. Die Frage ist also wann.
Als Lagerverwaltungssystem steuert SAP EWM Transportaufträge, verwaltet Lagerplätze auf Stellplatzebene, kommuniziert mit der Produktion und bucht Warenbewegungen. So weit, so gut, doch die Realität sieht in vielen Betrieben anders aus. EWM läuft, die Prozesse sind definiert, die Schnittstellen stehen, aber die Lagerdaten stimmen nicht. Buchungen fehlen, Bestände weichen ab, das System zeigt Ware, die längst umgestellt wurde. Disponenten misstrauen den Daten. Fahrer arbeiten aus dem Gedächtnis statt aus dem System. Und das EWM, das eigentlich das Lager orchestrieren sollte, plant mit einem nicht mehr zutreffenden Ist-Zustand.
Lesevorschlag für Sie, wenn:
Der Beitrag in Kürze:
Die Bedingung: Valide Echtzeitdaten
SAP EWM ist so gut wie die Daten, die es bekommt. Und diese Daten kommen in produzierenden Unternehmen aus vielen verschiedenen Quellen. Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Fördertechnik bucht automatisch, wenn Ware durchläuft. MES-Systeme melden Fertigmengen aus der Produktion. Automatische Lagersysteme protokollieren ihre eigenen Bewegungen. All das und noch mehr fließt ins EWM:

Wareneingang
Aber bereits am Wareneingang wird es komplizierter. Wer ein angebundenes TMS hat und mit standardisierten Lieferavisen arbeitet, bekommt saubere Daten. Wer mit vielen verschiedenen Zulieferern arbeitet, die unterschiedliche Systeme, unterschiedliche Etiketten und unterschiedliche Datenformate mitbringen, steht vor einer anderen Realität: manuelle Erfassung, Scannen beim Entladen, Nacherfassen von Lieferscheinen. Jede Ausnahme ist eine potenzielle Fehlerquelle, die direkt ins EWM wandert.

Umlagerung vs. manuelles Erfassen
Dann zeigt sich der eigentliche blinde Fleck: manuelles Erfassen bzw. Nachfassen. Sobald ein Staplerfahrer eine Palette aufnimmt oder umlagert und in die freie Lagerfläche bringt, reißt die Datenkette erneut. Dieser Moment wird nicht automatisch erfasst. Er passiert hundertfach täglich. Der Fahrer hat Zeitdruck. Der Barcode ist beschädigt. Das WLAN in der hinteren Hallenhälfte ist instabil. Die Palette wird schnell umgestellt, die Buchung für später aufgeschoben und dann vergessen.

Datenhygiene
Das Ergebnis akkumuliert sich still. EWM zeigt Ware auf Platz A3, die längst auf B7 steht. Es disponiert Material, das nicht auffindbar ist. Es schickt Fahrer auf Suchfahrten. Jede Korrektur kostet Zeit. Jede Inventur räumt den Datenmüll vorübergehend auf, bis er sich wieder ansammelt. Das ist kein EWM-Problem und kein MES-Problem. Es ist eine strukturelle Lücke zwischen den Systemen, die verlässlich buchen, und den Momenten dazwischen, in denen ein Mensch mit einem Scanner entscheiden soll.
Szenario 1: Migration von SAP WM auf SAP EWM
Wer von SAP WM auf EWM wechselt, erwartet einen Fortschritt. Das System wird moderner, die Funktionen werden umfangreicher, die Integration tiefer. Was viele erst im laufenden Betrieb merken: EWM fordert mehr vom Lager als WM, nicht weniger.
In SAP WM waren Buchungsprozesse oft grober granuliert. Eine Bewegung, ein Scan, fertig. SAP EWM arbeitet auf Handling-Unit-Ebene und verfolgt Warenbewegungen deutlich detaillierter, was grundsätzlich ein Vorteil ist, aber auch mehr Buchungsschritte pro Vorgang bedeutet. Mehr Schritte heißt mehr Interaktionspunkte. Mehr Interaktionspunkte heißt mehr Stellen, an denen ein Scan fehlen, falsch sein oder zu spät kommen kann. Wer die Migration als Chance nutzt, das Datenproblem zu lösen, erlebt das Gegenteil: Die Anforderungen an die Datenqualität steigen, aber die Art, wie Daten erzeugt werden, bleibt dieselbe. Der Staplerfahrer steht weiterhin mit dem Scanner vor der Palette.
Dazu kommt der Wareneingang. Wenn das TMS nicht angebunden ist oder Zulieferer mit unterschiedlichen Systemen und Etiketten liefern, beginnt der Datenmüll nicht im Lager, sondern bereits am Tor. Altdaten aus WM, die ins neue EWM übernommen werden, bringen oft bereits Inkonsistenzen mit.
Praktisch, so haben es Refresco und Warsteiner gelöst
Refresco
Refresco ist von SAP WM mit Handscannern auf SAP EWM umgestiegen. Dazu wurde direkt das identpro Warehouse Execution System (WES) eingeführt.
Die Datenlücke wurde damit in EWM geschlossen. Das Ergebnis: eine sauberere Migration, 25 % mehr Palettenumschlag mit unveränderter Flotte und 50 % weniger Leerfahrten.


Warsteiner
Warsteiners Ziel: volle Transparenz über Voll- und Leergutbestände an zwei Standorten, komplexes Leerguthandling, scan-freier Werksverkehr zwischen Warstein und Paderborn. Die Lösung war die Integration des identpro WES direkt in SAP EWM. Alle Warenbewegungen werden automatisch erfasst und ohne manuellen Eingriff ins EWM zurückgebucht. Rückmeldungen erfolgen vollautomatisch.
Szenario 2: SAP EWM Neueinführung ohne Migration
Viele Unternehmen starten direkt mit SAP EWM, weil sie wachsen, weil sie eine veraltete Insellösung ablösen, weil sie sich professionalisieren wollen oder weil sie im Zuge einer S/4HANA-Einführung das Lager gleich mitdigitalisieren.
Der Startpunkt ist ein anderer, aber das Grundproblem ist dasselbe.
Wer SAP EWM neu einführt, hat keinen Datenmüll aus einem Vorgängersystem. Dafür hat er etwas anderes: Mitarbeiter, die noch nie mit digitaler Lagersteuerung gearbeitet haben. Prozesse, die erst neu definiert werden müssen. Und einen Wareneingang, der vom ersten Tag an sauber buchen soll, auch mit Zulieferern, die das vielleicht nicht unterstützen.

Die Erwartung ist oft: Wir starten neu, wir machen es gleich richtig. Die Realität der Anlaufphase sieht häufig so aus: Fehlbuchungen durch ungewohnte Prozesse, Scanfehler, weil Mitarbeiter das System noch nicht kennen, Dateninkonsistenzen, die sich in den ersten Wochen aufbauen und das neue EWM mit denselben Problemen belasten, die man eigentlich vermeiden wollte. Dazu kommt ein weiterer Faktor, der oft unterschätzt wird: Unternehmen, die EWM neu einführen, sind häufig gleichzeitig dabei zu wachsen. Neue Mitarbeiter, neue Lagerstrukturen, höheres Volumen. Genau in dieser Phase, in der alles gleichzeitig neu ist, ist die Fehlerquote am höchsten und die Konsequenzen fehlerhafter Lagerdaten am teuersten.
Einige dieser Unternehmen finden identpro bereits in der ERP-Evaluierungsphase. Noch bevor SAP EWM feststeht, beschäftigen sie sich mit der Frage, wie verlässliche Lagerdaten überhaupt entstehen. Das ist der günstigste Einstiegspunkt, weil dann das WES und EWM von Anfang an als System gedacht werden können und nicht als nachträgliche Ergänzung. Andere stoßen auf identpro mitten in der EWM-Implementierung, wenn die ersten Datenlücken sichtbar werden. Auch das funktioniert, aber es bedeutet einen zusätzlichen Integrationsschritt in einem Projekt, das ohnehin komplex ist.
In beiden Fällen gilt: Wer EWM neu einführt, hat die seltene Chance, von Anfang an eine saubere Datenbasis aufzubauen. Diese Chance zu nutzen, bedeutet nicht, ein zweites großes Projekt zu starten, sondern das WES als integralen Bestandteil der EWM-Einführung zu denken.
Die Change-Management-Falle: Zu viele Systeme auf einmal
Was in der Praxis passiert, wenn mehrere Systeme gleichzeitig eingeführt werden: Mitarbeiter sind überfordert, weil zu viel auf einmal neu ist. Wer das WES zuerst einführt, gibt seinen Mitarbeitern Zeit, sich an digitale Steuerung zu gewöhnen – in einer vertrauten Umgebung, mit dem bestehenden ERP im Rücken. Wenn EWM dann kommt, ist die digitale Steuerung kein neues Konzept mehr. Mitarbeiter kennen das Terminal, vertrauen dem System und arbeiten bereits ohne Scannen. Der EWM-Rollout findet auf einem stabilen Fundament statt mit einem Team, das bereits digital arbeitet und EWM vom ersten Tag an mit verlässlichen Lagerdaten versorgt.
Valide Daten vor Steuerung: Warum WES vor SAP EWM so gut ist
EWM ist ein System, das plant und steuert. Wer es also einführt, ohne die Ausgangslage zu klären, baut auf einem Fundament, das von Anfang an wackelt. Wer das WES vorher einführt, legt dieses Fundament – bewusst, kontrolliert und ohne Zeitdruck eines laufenden ERP-Projekts.
Konkret bedeutet das:
Alle Warenbewegungen werden automatisch erfasst: ohne Scan, ohne manuellen Eingriff, ohne Abhängigkeit vom Verhalten einzelner Mitarbeiter.
- EWM startet mit einer Lagerwirklichkeit: Was einmal im Lager ist, wird von diesem Moment an zentimetergenau verfolgt.
- Mitarbeiter Zufriedenheit / System Akzeptanz: Sie lernen digitale Steuerung kennen, ohne gleichzeitig mit neuen SAP-Buchungslogiken konfrontiert zu werden. Das Vertrauen ins System wächst.
- Dennoch: Das WES ist kein SAP-Hilfssystem. Es ist ein eigenständiges System, das Probleme löst, die weit über SAP hinausgehen: Leerfahrten um bis zu 30 % reduzieren. Suchzeiten eliminieren. Einarbeitungszeiten neuer Mitarbeiter drastisch verkürzen.
- Das WES steuert: 100 % Bestandstransparenz, die unabhängig davon funktioniert, welches ERP dahintersteht.
Was das WES für die IT-Systemlandschaft bedeutet
Für die IT ist die Integration des WES deutlich schlanker als klassische SAP-Projekte. Keine Eigenentwicklung nötig, keine Infrastrukturumbauten. Bestehende Flurförderzeuge werden per IoT-Kit nachgerüstet. Das System läuft über WLAN oder LTE und ist kompatibel mit SAP ECC sowie SAP S/4HANA, sowohl mit embedded EWM als auch mit decentralized EWM. Als SaaS-Lösung in der Cloud ist der Go-live deutlich schneller als bei klassischen SAP-Projekten und erfordert keine aufwändige IT-Infrastruktur. Offene Standards wie omlox und VDA5050 sorgen für Investitionssicherheit und verhindern Vendor Lock-in.
Häufige Fragen (FAQ)
Sie planen SAP EWM oder überlegen noch?
Sprechen Sie mit uns darüber, wie das in Ihrem Lager konkret aussieht und wie andere Unternehmen wie Warsteiner und Refresco die Kombination aus SAP EWM und identpro WES erfolgreich umgesetzt haben.