Updated on 29. September 2026
Optimierte Materialwirtschaft: Wenn analoge Leergutverwaltung automatisiert wird – Moderne IoT-Technologie als Lösung für eine branchenspezifischen Herausforderung.
In der dynamischen Welt der Getränkeindustrie sind Flexibilität, Effizienz und technologische Neuerungen unerlässlich. Das Leergut-Modul, einer branchenspezifischen Erweiterung des Warehouse Execution Systems (WES), trägt maßgeblich zur Transformation der Lagerlogistik in der Getränkeindustrie bei.
Der Beitrag in Kürze:
Leergutmanagement: Schlüsselelement der Getränkeindustrie
Die Rückführung und Wiederbefüllung von Leergut ist für Brauereien und Getränkehersteller von zentraler Bedeutung. Die Herausforderung besteht jedoch darin, diesen Prozess nahtlos zu gestalten, um die Produktionsplanung zu optimieren und die Kosten effektiv zu senken. Unzureichende Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von Leergut, erschwert durch unterschiedliche Rückgabequellen wie z.B. den Einzelhandel, führen häufig zu manuellen, fehleranfälligen Prozessen und Umsatzverlusten.

Warum Leergutmanagement jetzt wichtiger wird
Mehrweg ist in der deutschen Getränkeindustrie fest verankert, besonders bei Bier. Knapp 80 % des Bierabsatzes laufen über Mehrwegverpackungen, und der klassische 20er-Kasten hat einen Marktanteil von etwa 50 % (Deutscher Brauer-Bund, 2026). Rund 80 % der Bierflaschen sind Poolflaschen, die alle Brauereien gemeinsam nutzen (Deutscher Brauer-Bund). Genau das macht die Verwaltung so schwierig: Auch wenn das Leergut sortiert im Lager ankommt, trägt es keine eindeutige Kennzeichnung. Welche Palette mit welchem Leergut wo steht, ist ohne digitale Erfassung kaum nachvollziehbar.
Gleichzeitig steigt der politische Druck. Über alle Getränke hinweg lag die Mehrwegquote in Deutschland 2024 bei nur 34,5 %, obwohl das Verpackungsgesetz 70 % vorsieht. Seit 2020 hat sich daran kaum etwas bewegt (Umweltbundesamt / food-monitor, 2026). Auf EU-Ebene gilt seit August 2026 die neue Verpackungsverordnung (PPWR). Sie sieht vor, dass ab 2030 mindestens 10 % der alkoholischen und alkoholfreien Getränke in Mehrwegsystemen angeboten werden, ab 2040 werden dann 40 % (packaktuell, 2026) angestrebt. Mehr Mehrweg heißt auch mehr Leergut, das erfasst, sortiert und wieder in die Produktion eingeplant werden muss.
Hinzu kommen die Kosten. In Deutschland sind rund 4 Milliarden Mehrwegflaschen im Umlauf. Ein neuer Kasten kostet eine Brauerei 4,50 bis 7 Euro, und jede Flasche, die nicht zurückkommt, kann bis zu 24 Cent Verlust bedeuten (Stand 2023, getraenke-news). Wer nicht weiß, welches Leergut wo steht, bestellt im Zweifel Neuglas nach oder plant die Abfüllung an den tatsächlichen Beständen vorbei.
Herausforderungen in der Getränkeindustrie

Produktionsplanung:
Ohne die genaue Kenntnis des verfügbaren Leerguts ist es schwierig, die Produktion bzw. Befüllung effizient zu planen. Es besteht die Gefahr, dass nicht genügend Flaschen verfügbar sind, was zu Produktionsausfällen führen kann.

Personalaufwand:
Unklare Informationen über den Leergutbestand erfordern einen erhöhten Aufwand bei der Suche nach dem benötigten Leergut. Mitarbeiter müssen potenziell lange Prozesse durchlaufen, um das benötigte Leergut zu finden, was die Produktivität beeinträchtigt.
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Innovation in der Praxis

Leergutpaletten haben keine eindeutige Kennzeichnung (SSCC) und können nicht einfach erfasst werden. Mit dem Warehouse Execution System von identpro können gesamte Bestände in Echtzeit lokalisiert und gesteuert werden. Die Lösung verfügt über eine einzigartige Applikation für die Herausforderung der Getränkeindustrie. Dafür werden die bestehenden Flurförderzeuge (FFZ) mit IoT-Kits ausgestattet, um die gesamten Bestände / Bewegungen / Aufträge Live zu erfassen. In der KI-basierten Software wird daraus ein digitaler Zwilling in Echtzeit erzeugt und Fahraufträge intelligent gesteuert.
Wofür steht SSCC?
Der SSCC (Serial Shipping Container Code) ist ein internationaler Standardcode, der zur Identifizierung von Versandeinheiten (wie Paletten, Kartons oder Behältern) in der Lieferkette verwendet wird. Er ermöglicht eine eindeutige Identifizierung jeder Versandeinheit weltweit und erleichtert somit das Tracking und die Verwaltung in der Logistik.
Jeder SSCC ist ein einzigartiger 18-stelliger numerischer Code. Dieser setzt sich zusammen aus einer Erweiterungsziffer, einer GS1-Unternehmensnummer, einer fortlaufenden Seriennummer und einer Prüfziffer. Die GS1-Unternehmensnummer ist dabei eine vom GS1-System zugewiesene Nummer, die das Unternehmen identifiziert, welches die Versandeinheit erstellt hat.
Durch den Einsatz des SSCC können Unternehmen ihre Versandeinheiten effizienter verfolgen, den Wareneingang und -ausgang automatisieren und die Genauigkeit ihrer Lieferkettenprozesse verbessern. Der Code wird in der Regel in Form eines Barcodes auf die Versandeinheit aufgebracht, sodass er leicht gescannt und in IT-Systemen verarbeitet werden kann.
Das Leergut-Modul: Automatisierung des Leerguthandlings
Leergut – ohne Barcode oder andere Identifikation – kann nun vollautomatisch verfolgt werden. Der Staplerfahrer nimmt eine unbekannte Leergutpalette auf und via Softwareoberfläche werden die Bestände erfasst. Über einen Schnellfilter greift der Staplerfahrer mit wenigen Klicks Leergutpaletten auf. Im Erfassungsfenster wird abgefragt, wie viele Paletten aufgenommen wurden. Über eine optionale Bildsuche kann dann ganz einfach der aufgenommene Flaschentyp angegeben werden – ohne zu scannen oder das Fahrzeug zu verlassen. Die Leergutpalette wird in der Software erfasst und mit einer virtuellen Nummer versehen. Einmal mit dem System verbunden, wird die Ware automatisch getrackt und gesteuert.
Vorteile auf einen Blick
- Einfache Erfassung & Bedienung
- Fahrer müssen nicht mehr nach Leergut suchen
- Planungssicherheit in der Produktion
- Valide Bestandsinformationen führen zur vollen Transparenz
- Via Schnittstelle an jegliche ERP-Systeme wie SAP EWM anbindbar
So läuft die Erfassung ab: Schritt für Schritt
Das Leergut-Modul ist konsequent auf den Arbeitsalltag im Getränkelager ausgelegt. Der Staplerfahrer verlässt das Fahrzeug nicht, sucht keine Barcodes und tippt keine Artikelnummern ein. Die gesamte Erfassung läuft über wenige Interaktionen an der Terminaloberfläche: intuitiv, schnell, fehlertolerant.




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Fazit
Die Herausforderungen des Leergutmanagements können sich nachteilig auf die Produktionsplanung und die Effizienz auswirken. Die Einführung automatisierter Tracking-Systeme können dabei helfen, das Potenzial voll auszuschöpfen. Ein effizientes Leergutmanagement ist nicht nur ein Zeichen der betrieblichen Effizienz, sondern auch ein wichtiger Faktor für die Kundenzufriedenheit und den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.
Internationale Erfolgsstorys in der Getränkeindustrie
Brauereien und Getränkehersteller in mehreren europäischen Ländern setzen die Lösung von identpro bereits ein, zum Teil über mehrere Standorte hinweg.
Warsteiner: Leergut erfassen mit vier Klicks
Bei Warsteiner fahren 36 Stapler an den Standorten Warstein und Paderborn mit dem Warehouse Execution System von identpro. Getrackt werden dabei 280.000 m² und 70.000 m². Die Anbindung an SAP EWM sorgt für vollständige Transparenz über volles und leeres Gebinde. Für das Leergut gibt es eine eigene Terminal-App: Der Staplerfahrer erfasst eine Leergutpalette mit vier Klicks, ohne Scanner und ohne vom Stapler abzusteigen.
Pilsner Urquell (Asahi): Leere KEGs und Flaschen im Blick
Bei Pilsner Urquell, Teil der Asahi Group, wurden die vorhandenen Stapler mit IoT-Kits ausgestattet. An den Förderbändern der Befüllstation kam eine automatische Erkennung dazu. Das System verfolgt volle und leere KEGs sowie Flaschen in Echtzeit und übergibt die Bestände direkt an das ERP-System. Manuelles Scannen im Lager entfällt. Pilsner Urquell plant, die Lösung auf weitere Standorte der Asahi Group auszurollen.
Refresco: Mehr Leistung mit derselben Flotte
Refresco Deutschland ist mit dem WES von identpro von SAP WM auf SAP EWM umgestiegen. Im Lager auf 35.000 m² gibt es täglich rund 7.000 Bewegungen, und die 13 Stapler fahren seitdem scanfrei mit 3D-Staplerleitsystem. Das Ergebnis: deutlich über 25 % mehr transportierte Paletten mit unveränderter Flotte und 50 % weniger Leerfahrten. Die Investition hatte sich in weniger als 15 Monaten amortisiert.
In einer Ära, in der Effizienz, Nachhaltigkeit und digitale Transformation entscheidend sind, steht identpro an der Spitze dieser Bewegung und demonstriert, wie Digitalisierung und intelligente Automatisierung in der realen Welt der Getränkeindustrie umsetzbare Erfolge erzielen.
Häufige Fragen (FAQ) zum WES von identpro

Jetzt reinhören:
Der Podcast „Bier & Bytes“ mit Dr. Martin Welp
Hier geht es zur Podcast-Folge von:
In der 10. Ausgabe des Podcasts „Bier & Bytes – Gespräche über die Brauerei der Zukunft“ ist identpro Managing Partner Dr. Martin Welp zu Gast. Zusammen mit Dr. Lydia Junkersfeld von BRAUWELT, sowie den Digitalisierungsexperten Dr. Michael Eberhard und Christian Gradt von PRECOGIT, diskutiert er spannende Logistikthemen, die die Brauindustrie heute bewegen.
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